Sind alle Leitungen verlegt?

Die Digitalisierung ist in aller Munde – auch beim „Deutschen Mittelstand“. Die Frage ist nur – aus welchem Grund. Oftmals ist es eher aus einem Zwang heraus. Alle machen das – also müssen „wir“ auch dabei sein. Dabei sein… nur wobei?

 

Herdentrieb und erstmal machen 

Auch wenn das unklar ist, es wird erst einmal mitgemacht – machen ja alle. Was dann geschieht, ist äußerst kritisch. Unternehmen mit langer Tradition gründen Hubs, Inkubatoren, Acceleratoren und und und… Diese werkeln dann vor sich hin und niemand weiß so richtig, was die da eigentlich tun – nur dass sie das, was auch immer es ist, wohl tun müssen, da das ja gerade alle machen. Begleitet wird das ganze Tun des Mittelstandes dann von kritischen Kommentaren, die behaupten, dass deutsche Unternehmen das Digitalisierungspotential nicht vollständig nutzen. Dies ist in großen Teilen sogar wahr. Das Tragische daran ist – es fehlt nicht viel, um das Potential besser zu erschließen – nur was? In jeder Umfrage bestätigen Manager, die Wichtigkeit der Digitalisierung für die eigene Branche, dass das eigene Unternehmen und das gar die Zukunft des eigenen Unternehmens davon abhänge. Allerdings spiegeln sich diese Aussagen nicht in den Organisationsstrukturen der Unternehmen und ihren neu gegründeten innovativen Hubs wider.

 

Die Kernbelegschaft wird verunsichert

Dies zieht sich durch bis in die Mitarbeiterebene. Hier werden diese Neugründungen tendenziell skeptisch bis ängstlich beäugt – geht es im Zweifel doch um die Zukunft des Unternehmens und letzten Endes um den eigenen Arbeitsplatz. So kennt fast jeder die Studien, nach denen Automatisierung und Digitalisierung im Allgemeinen Jobs vernichten werden – mit Sicherheit also auch den eigenen.

 

Potential wird nicht voll ausgeschöpft

Vor diesem Hintergrund wundert es nicht, dass das Potential der Digitalisierung nicht ausgeschöpft wird. Denn es handelt sich um einen Transformationsprozess. Dieser Wandel muss von allen Mitarbeitern und somit allen Einheiten eines Unternehmens mitgetragen werden. In der Folge wird Digitalisierung zwar oftmals auf der Board-Ebene verankert, nur geschieht hier auch nicht viel, das sich auf die Breite der Belegschaft auswirkt. Im Zweifel werden Experten der Digitalisierung an Bord geholt und auch hier stellen sich nicht die gewünschten Erfolge ein. Zum einen weil die Erwartungen zu hoch sind – gemessen an dem, was diese Experten leisten können und zum anderen, weil dies der falsche Ansatz ist.

 

Systematisches verzahnen der Schlüssel-Akteure

Die entscheidende Frage ist: „Sind alle Leitungen verlegt?“. Nein! Denn diese Unternehmen wirken mit ihren einzelnen Einheiten wie ein Neubaugebiet, das nicht an die Infrastruktur angeschlossen und dadurch nicht miteinander vernetzt ist. Der Hebel zum Weiterkommen und zur besseren Potentialausschöpfung ist im Grunde einfach. Das vorhandene Potential, welches in den einzelnen Einheiten entsteht miteinander vernetzen und die Transformation hierdurch ermöglichen. Die Leitungen zwischen Geschäftsleitung, der HR-Abteilung, den Verantwortlichen des z.B. Digital-Labs und der Unternehmenskommunikation zu legen, ist essentiell. Die Geschäftsleitung muss demnach mittel- bis langfristige Budgets freigeben, das Thema zentral steuern und ggfls. einen langen Atem haben und den Aufsichtsgremien auch offen kommunizieren, was vor sich geht und was erreicht werden soll. Die HR-Abteilung muss das Thema Intrapreneurship forcieren, unternehmerisch denkende Mitarbeiter identifizieren und stärker fördern und ggf. für eine Spin-off Gründung vorbereiten. Nicht zuletzt muss auch gemessen werden, inwieweit sich das Mindset der Mitarbeiter in eine positive Richtung verändert. Die Verantwortlichen der Digital-Labs sollten so gut und so viel wie möglich versuchen, ins Mutterunternehmen zurückzukoppeln, was vor Ort alles passiert und gewährleisten, dass der Ort für alle zugänglich ist, falls Interesse besteht. Darüber hinaus muss die Unternehmenskommunikation alle internen Kommunikationsmittel (Mitarbeiterzeitschrift, Blog, Wiki etc.) nutzen, um das Thema zu transportieren, zu sensibilisieren und zu motivieren.